Computer im Musikunterricht

In: Analog und Digital. 2 (1997): 18-19. / Von Wolfgang Seibold

1971 erschienen zwei für das Thema, bezogen auf Musik, wichtige Bücher:

  • Abraham A. Moles legte sein Buch "Art et Ordinateur" (deutsch: Kunst & Computer") vor.
  • Im Karlsruher Verlag G. Braun erschien in der Reihe "orphica critica" das Werk"Über Musik und zum Computer" von Herbert Brün.

Damals konnte sich natürlich kein Schulmeister vorstellen, daß er Computer, mit einem Equipment versehen, das für die Schule technisch-finanziell unerschwinglich hoch angesiedelt war, daß also dies Maschine, namens "Computer", im Kunstbereich (ich meine damit die Sprach-, Bild-, Film- und Tonkunst) jemals in der Schule Einzug halten würde. Und auch heute ist der Profibereich natürlich um vieles weiter, als die Musiker in der Schule je sich erträumen können.
Im Herbst 1997 stand in der Werbe-Zeitschrift "TONART" des Klettverlages Stuttgart - einer, der sich besonders um Neue Medien bemüht - , was Prof. Niels Knolle über das neu gestaltete Lehrwerk "Hauptsache Musik" meint: "Gerade wir Musikpädagogen müssen uns also um Internet und Digitalisierung, um Playbackverfahren und Raumakustik, um MIDI-Recording, um Harddiscrecording" - und alle Anwesenden haben dies je bereits getan!, doch weiter mit Niels Knolle: "und den warmen Klang der alten Schallplatten und Röhren kümmern, wenn wir die Jugendlichen nicht in ihrer Freizeit online vernetzt, aber von der sinnlichen Realität der aktiven Umgangs mit Musik abgeschnitten, am Computer allein lassen wollen."

Der Gefahr, im Musikunterricht nun in eine Technik-Euphorie auszubrechen, was die inhaltliche Verwendung des "neuen Mediums Computer" anlangt, dieser Gefahr hat Jan Reetze in seinem Buch "Musikcomputer - Computermusik", bereits im Jahr 1987 geschrieben, eine Riegel vorgeschoben: "Eine Gitarre bleibt eine Gitarre, und eine Stradivari bleibt eine Stradivari... man sollte die Elektronik (Computer und Synthesizer) dem Verwendungszweck zuführen, die mit konventionellen Instrumenten nicht erstellbar sind. "

Wenn eine neue Technik auf den Markt kommt, beschäftigt sich natürlich auch der Bildungsbereich mit ihr: so hat die KMK einen Beschluß am 28. 02. 1997 verabschiedet zum Thema "Neue Medien und Telekommunikation im Bildungswesen". Dort sind wichtige Grundüberlegungen bezogen auf das Thema: "Eine genaue Analyse der derzeit erkennbaren Auswirkungen und Möglichkeiten der Neuen Medien zeigt, daß durch schnellen Datenzugriff, eigenständiges Recherchieren in Datenbanken, ... Selbstlernangebote zwar die Selbstbestimmung der Lernzeit, der Lernorganisation und der Lerninhalte gestärkt werden kann, daß aber die soziale Eingebundenheit und das soziale Lernen auch zukünftig ein wichtiges Lernziel für Schule und Weiterbildung darstellen muß. Zur Wahrnehmung der Erziehungsauftrages bleiben daher unmittelbare Kommunikation und personales Zusammenwirken unerläßlich...

Dabei können pädagogisch bedeutsame Ziele wie Selbstbestimmung des Lernens, Projektorientierung, Kooperation und Teamarbeit, fächerübergreifende Arbeits- und Lernformen und bereichsübergreifendes Denken gefördert und gezielt angegangen und erfahren werden. Wechsel von Selbstlern- und Sozialphasen können die Lernmotivation steigern und die Bereitschaft zum selbstständigen und lebenslangen Weiterlernen stützen...

Zur Entwicklung und Umsetzung derartiger neuer didaktischer und methodischer Konzeptionen sind Kreativität erforderlich, um nicht dem technischen Reiz und der sachunabhängigen Begeisterungskraft der Medien zu erliegen. Dabei darf auch nicht übersehen werden, daß hohes didaktisches und methodisches 'Raffinement' nur begrenzt das Lernen selbst erleichtern -
Lernen macht auch mit den Neuen Medien Mühe."

Für den Musikunterricht ergeben sich aus meiner Sicht drei Ansatzpunkte, wenn ich den pädagogischen Nutzen der Computertechnologie überprüfe. Sie bringt

  • Innovatives
  • Erleichterung bzw. Verbesserung des Lernprozesses
  • neue Zugänge zu Lernprozessen

    Das Projekt "Neue Medien und Medienerziehung" des Ministeriums für Kultus und Sport Baden-Württemberg in Stuttgart nahm sich nun der Arbeit für die schulische Praxis an. Im Frühjahr 2000 erscheinen Basisbausteine und Praxisbausteine, die am Landesinstitut für Erziehung und Unterricht, Stuttgart und an den Landesbildstellen Baden (Karlsruhe) und Württemberg (Stuttgart) erarbeitet wurden.

    Aus meiner Sicht gliedert sich der Einsatz des Computers im Musikunterricht in vier Felder
  • der Computer als "Lernmaschine"
  • der Computer als "Produktionshilfe"
  • der Computer als "Musikinstrument(e)"
  • der Computer als "Hilfsmittel zur Kommunikation und Kooperation"

    Unter letzterem Feld verstehe ich beispielsweise das Erstellen von Hompages im Internet zu musikalischen Themen, die aus dem Unterricht oder die Nutzung der Online-Dienste für Software-Angebote, MIDI- und WAVE-Dateien, Homepages großes Plattenlabels, Radiosendungen, z. B. DAS DING des SWR, das ja eine interessante Vernetzung von "neuen" und "alten" Medien darstellt: seit 1. April 2000 ist DAS DING auch terrestrisch zu empfangen: Großraum Stuttgart: UKW 90, 8 - Tübingen/Reutlingen: UKW 90, 5 - Buchen: UKW 100, 6 - Heidelberg: UKW 91, 5 - Bad Mergentheim: UKW 100, 5 - Ravensburg: UKW 107, 2.